Stiftung kein Allheilmittel
Fehlt ein Nachfolger aus der Familie, wird statt eines Unternehmensverkaufs
auch die Errichtung einer Stiftung in Erwägung gezogen. Sie
wird Unternehmern, die ihr Lebenswerk sichern wollen, von Beratern
und Banken als Lösung für die „Ewigkeit“ immer
häufiger empfohlen. Für sie hat das Modell große
Vorteile: Es sichert ihnen dauerhafte Mandate und lukrative Einkünfte.
Auch das Management des eigenen Unternehmens gehört meist
zu den Befürwortern der Stiftung, sorgt sie doch dafür,
dass die Geschäftsführung langfristig ruhig arbeiten
kann.
Die Stiftung ist jedoch für Mittelständler kein
Allheilmittel zur Nachfolgeregelung. Sie ist kein Ausweg, wenn
ein Unternehmer es nicht geschafft hat, qualifizierte Nachfolger
für die Führung des Unternehmens heranzuziehen. Die Stiftung
ist auch keine Lösung für Unternehmen mit Sanierungsbedarf
oder ungeklärten Bestandsrisiken. Ein schlechter Start wäre
es, ein Stiftungsmodell gegen den Willen naher Familienangehöriger
durchzusetzen. Ungeregelte Pflichtteilsrechte können die Stiftung
und das Unternehmen in ihrem Bestand bedrohen.
Vielfach stehen
geeignete Manager für die Führung des Unternehmens und
der Stiftung nicht zur Verfügung . Eine Studie der Fachhochschule
für Technik in Berlin bescheinigte Stiftungen „über
alle Management-Bereiche hinweg mehr oder weniger stark ausgeprägte
Defizite beim Einsatz betriebswirtschaftlicher Instrumente, besonders
beim strategischen Management.“ Auf jeden Fall ist für
die Begründung einer Stiftung eine angemessene Kapitalausstattung
und Ertragskraft notwendig, um in Zukunft aus eigener Kraft zu
existieren und die Ansprüche der Stiftung auf Ausschüttung
zu befriedigen. Die Stiftung ist eine Einbahnstraße. Sie
ist auf Dauer errichtet. Kommt die Unternehmerfamilie im Nachhinein
mit der Rechtsform der Stiftung nicht zurecht, so besteht grundsätzlich
keine Möglichkeit, sie wieder aufzulösen.
Alles in allem
sollte der Unternehmer bei all diesen Problemen realistisch bedenken,
ob nicht ein Verkauf des Unternehmens die bessere Lösung ist. |