DR. WOLFGANG WALTER
CONSULTING GMBH

 

Stiftung kein Allheilmittel

Fehlt ein Nachfolger aus der Familie, wird statt eines Unternehmensverkaufs auch die Errichtung einer Stiftung in Erwägung gezogen. Sie wird Unternehmern, die ihr Lebenswerk sichern wollen, von Beratern und Banken als Lösung für die „Ewigkeit“ immer häufiger empfohlen. Für sie hat das Modell große Vorteile: Es sichert ihnen dauerhafte Mandate und lukrative Einkünfte. Auch das Management des eigenen Unternehmens gehört meist zu den Befürwortern der Stiftung, sorgt sie doch dafür, dass die Geschäftsführung langfristig ruhig arbeiten kann.

Die Stiftung ist jedoch für Mittelständler kein Allheilmittel zur Nachfolgeregelung. Sie ist kein Ausweg, wenn ein Unternehmer es nicht geschafft hat, qualifizierte Nachfolger für die Führung des Unternehmens heranzuziehen. Die Stiftung ist auch keine Lösung für Unternehmen mit Sanierungsbedarf oder ungeklärten Bestandsrisiken. Ein schlechter Start wäre es, ein Stiftungsmodell gegen den Willen naher Familienangehöriger durchzusetzen. Ungeregelte Pflichtteilsrechte können die Stiftung und das Unternehmen in ihrem Bestand bedrohen.

Vielfach stehen geeignete Manager für die Führung des Unternehmens und der Stiftung nicht zur Verfügung . Eine Studie der Fachhochschule für Technik in Berlin bescheinigte Stiftungen „über alle Management-Bereiche hinweg mehr oder weniger stark ausgeprägte Defizite beim Einsatz betriebswirtschaftlicher Instrumente, besonders beim strategischen Management.“ Auf jeden Fall ist für die Begründung einer Stiftung eine angemessene Kapitalausstattung und Ertragskraft notwendig, um in Zukunft aus eigener Kraft zu existieren und die Ansprüche der Stiftung auf Ausschüttung zu befriedigen. Die Stiftung ist eine Einbahnstraße. Sie ist auf Dauer errichtet. Kommt die Unternehmerfamilie im Nachhinein mit der Rechtsform der Stiftung nicht zurecht, so besteht grundsätzlich keine Möglichkeit, sie wieder aufzulösen.

Alles in allem sollte der Unternehmer bei all diesen Problemen realistisch bedenken, ob nicht ein Verkauf des Unternehmens die bessere Lösung ist.